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Interview mit Jens Burger

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Jens Burger ist ein ausgesprochen unkonventioneller Fotograf und seine Arbeiten stecken voller überraschender Detailideen, die er in oft langwierigen Prozessen vor dem Shooting entwickelt. Neben seiner Arbeit hinter der Kamera ist er außerdem als Grafikdesigner und Musiker tätig, er pflegt einen eigenen Youtube Channel, organisiert Workshop-Touren und ist offizieller Adobe Influencer. Wir sprachen mit ihm über Themen wie Fotografie und den Feinschliff mit Adobe.

CPN: Sie sagen, Sie seien Autodidakt. Ist das ungewöhnlich für einen Fotografen?

Jens Burger (JB): Nein, das ist überhaupt nicht ungewöhnlich. Viele Menschen fotografieren ihr ganzes Leben auf irgendeine Art und Weise mit der Kamera oder dem Handy. Manche tun das eben sehr aufmerksam, andere mehr so nebenbei. Ich selbst bin gelernter Kartograf, habe mich dann mit Computergrafik und Webdesign beschäftigt und habe mir alles eigentlich selbst angeeignet nach der Lehre.

CPN: Würden Sie also behaupten, dass Fotografieren ein Talent ist?

JB: Das ist schwer zu sagen, aber ein gutes Foto macht nicht die Kamera, sondern derjenige, der sie bedient. In meinen Workshops gehe ich viel auf Themen wie Bildausschnitt oder Perspektive ein, aber das Gefühl dafür muss schon ein bisschen von innen kommen.

CPN: Könnte ein privater Schnappschuss auch ein kommerzielles Burger-Foto werden?

JB: Ich muss sagen, dass ich privat nicht sehr viel fotografiere - höchstens ein bisschen mit dem Handy. Ich bin prinzipiell kein spontaner Fotograf. Wenn ich es ernst meine, dann plane ich. Ich bin jemand, der sich erst einmal Gedanken darüber macht, was er gerne aufnehmen und mit seinem Bild aussagen möchte. Das Foto an sich entsteht dann eigentlich sehr schnell. Manche Fotografen tüfteln am Set ganz lange, bis sie das haben, was ihnen gefällt. Ich weiß vorher schon, wie das fertige Motiv aussehen soll und das mache ich dann einfach.

CPN: Gibt es auch Arrangements, die nachher nicht so aussehen, wie Sie sich das gedacht haben?

JB: Das ist mir eigentlich noch nie passiert, dass ich aufgegeben habe. Dann ist meistens etwas anderes entstanden, als das, was ich mir vorher gedacht habe. Ich habe noch nie eine Idee als gescheitert verworfen. Und manche Arbeiten entstehen auch ganz spontan. Wir haben einmal am Set mit Face Painting gearbeitet. Die Idee dazu entstand wie von selbst, weil während des Shootings ein Farbeimer aus dem Regal gefallen war...

CPN: Wie ist das bei der Arbeit für Auftraggeber. Kommen die mit festen Vorstellungen oder lassen die Ihnen genug Freiraum für Ihre Ideen?

JB: Der gesunde Menschenverstand sagt einem ja meistens schon, wie man etwas zu machen hat, damit es kommerziell funktioniert. Wenn ich vom Kunden ein paar Kartons mit Schuhen bekomme, die ich auf Mallorca fotografieren soll, dann weiß ich ungefähr schon, was ich damit zu tun habe. Meine Auftraggeber vertrauen mir da schon.






Ich bin prinzipiell kein spontaner Fotograf. Wenn ich es ernst meine, dann plane ich. Jens Burger

CPN: Fotografieren Sie dann lieber draußen oder im Studio?

JB: Sowohl als auch. Aber ich versuche auch im Studio eine natürliche Lichtsituation zu kreieren. Ich benutze zum Beispiel selten zwei Lichtquellen, weil es eben unecht und unnatürlich wirkt. Es sei denn, ich möchte etwas Kreatives mit dem Licht erzeugen. Da gibt es selbstverständlich keine Grenzen. Aber ich fotografiere ausschließlich offenblendig, weil das der normalen Gegebenheit des Auges im täglichen Leben sehr nahe kommt. Man kann nicht mit jemandem reden und gleichzeitig den Hintergrund scharf sehen. Und wenn man blitzt, ist das Licht so hell, dass man gar nicht mit offener Blende fotografieren beziehungsweise nicht mit einer Tiefenunschärfe arbeiten kann.

CPN: Sie sind seit 2012 offizieller Influencer für Adobe. Was muss man sich darunter vorstellen?

JB: Das bedeutet, dass ich Multiplikator oder eine Art Botschafter für Adobe bin. Ich habe zum Beispiel Follower bei Facebook, die sich im hohen Maße dafür interessieren, wie ich mit Adobe arbeite, um diese oder jene Effekte zu erzielen.

CPN: Und wie nutzen Sie Adobe Produkte?

JB: Eigentlich ist mein Foto – was zum Beispiel den Schnitt oder seine Wirkung angeht – fertig, wenn es aus der Kamera kommt. Ich setze mich nachher nicht hin und begradige das Motiv oder schneide es auf die richtige Größe. Also leiste ich die Hauptarbeit eigentlich am Set, aber es gibt verschiedene Aspekte in Bezug auf Look und Beautyretusche, die würden ohne die Bearbeitung mit Adobe nicht funktionieren. Das ist dann das gewisse Etwas, das die Kamera nicht herstellen kann.

CPN: Welche Produkte sind das im Einzelnen?

JB: Zur Bearbeitung der Farben und des Looks benutze ich Lightroom. Anschließend für einen gewissen Grad von Beauty-Retusche arbeite ich mit Photoshop. Da ich ja in erster Linie Menschen fotografiere verwende ich die Retusche, um natürliche Problemzonen etwas netter zu gestalten. Das ist meistens schon alles. Grob geschätzt entsteht 80 Prozent der Bearbeitung mit Lightroom und 20 Prozent mit Photoshop.

CPN: Und dann ist es fertig?

JB: Richtig, dann fasse ich es auch nie wieder an.

CPN: Mit welchen Adobe Produkten arbeiten Sie noch?

JB: Da ich auch im Bereich Grafikdesign tätig bin, ist InDesign für mich ein ganz wichtiges Programm. Damit erstelle ich zum Beispiel Flyer und Broschüren. Es gibt aber auch noch andere Tools, die bei meiner Arbeit zum Tragen kommen. Der Adobe Acrobat, den ich für Preflights und die Bearbeitung von PDF Dateien verwende oder die Adobe Bridge, ein äußerst vielseitiges Programm für die Dateiadministration. Das nutze ich hauptsächlich zur Verwaltung meiner Farbmanagements. So habe ich immer in allen anderen Adobe Programmen dieselben Einstellungen.

CPN: Sie sind Adobe Nutzer seit 1994, wie bewerten Sie das Modell der Creative Cloud?

JB: Für mich hat die Creative Cloud viele Vorteile. Der Umfang des Programmpools ist ausgesprochen groß. Wenn ich jetzt zum Beispiel etwas zur Videobearbeitung suchen würde, fände ich sicher ein Tool in der Creative Cloud, das ich nutzen könnte. Außerdem bin ich als Fotograf, Musiker und mit den Workshop-Touren genug ausgelastet, da ist es sehr praktisch, dass die Creative Cloud automatisch auf dem neuesten Stand gehalten wird und ich mich nicht mehr mit dem Vergleich verschiedener Versionen beschäftigen muss.

CPN: Dann danke ich Ihnen für das Gespräch.

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